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Hey, ich bin Romey

Aktualisiert: 20. Mai

Ok, wie beginne ich? Ich habe mich lange auf diesen Moment vorbereitet. Oder doch nicht lange genug? Du wirst ab jetzt von mir und meinem jungen Ich, welches ich liebevoll „mein Kleines“ nennen werde, zu lesen bekommen.


Nenn mich Romey; mein Pronomen ist sie/ihr und ich bezeichne mich selbst als lesbisch, mit einer Vorliebe zum Polyamorösen. Laut meiner Personalien bin ich 40 Jahre alt, wohne in einer Stadt in Nordrhein-Westfalen und arbeite am Schreibtisch. Zusätzlich bin ich ausgewiesene Katzenkenner*in und mit eine*r Frau* verheiratet. Das wären so meine Eckdaten, aber darum soll es hier gar nicht gehen.


In diesem Blog werde ich Dir von meiner Teenager-Zeit, meiner Jugend und dem Erwachsenwerden (manchmal auch im Zwiegespräch mit mir selbst) berichten. Nicht alles ist von der humorvollen Seite zu betrachten und ich werde daher, den ein oder anderen Trigger-Hinweise mitgeben. Die Entscheidung, ob Du dann weiter liest, überlasse ich ganz Dir und selbstbestimmt. Genau das wird auch eines der Themen werden, die hier immer wieder zur Sprache kommen - Selbstbestimmung.

Eines noch, bevor wir starten: Wenn Du, liebe*r Leser*in Lust hast, kommentiere gerne meine immer wieder an Dich gestellten Fragen, wie zum Beispiel: Wie hättest Du entschieden? Waren die Entscheidungen meines jungen Ich, immer die richtigen gewesen oder hättest Du anderes gehandelt?


Ich selbst werde mein queeres Leben ab dem 13 Geburtstag beleuchten.

Warum erst ab 13 und nicht ab 12, fragst Du Dich vielleicht? Ich finde 13 hat einfach was Magisches und bedeutet eben nicht, immer nur Unglück zu erfahren. Ich finde diese Zahl hat eine faire Chance verdient - was meinst Du? Ach ja, ganz vergessen - Gerne per Du! Noch Fragen?


Angekommen, steige ich in meinem Geburtsbundesland Oberbayern aus und sehe auf meine Zeitreisearmband-Uhr. Das Gendereinhorn zeigt auf 13 Jahre. Ich steige an der weiterführenden Schule aus meiner Zeitkapsel aus. Ich sehe mich um und muss feststellen, früher war nicht alles so großartig. JA klar, früher war alles besser - ich kann es nicht mehr hören. Die Mode ... klar wir trugen Plateau Sneakers mit durchsichtigen Sohlen und brachen uns dabei halb unsere Teenager-Knochen. Die Hosen konnte entweder nicht weit genug nach unten hängen oder kennst Du noch die Karotten Hosen?? Ne, das hatte nix mit der Farbe zu tun. Auch wenn meine damals Orange-Rot war; ich glaube, ich nahm es damals schon sprichwörtlich in Kauf. Und die Frisuren (!?) Die Mädels wollten aussehen, wie Bandmitglieder von einer Boy Group, aber mich wollten sie genau dafür vermöbeln, weil ich diese Karohemden so gut fand ... ne ist klar (Ach, die 90er).

Mit meiner Superkraft war es ein leichtes, auch durch die Wände hindurchzusehen und da sah ich, schüchtern wie eh und je, dass sich hinter mir die Schüler*innen über mich lustig machten. Und dann dieser Lehrer; der fand sich immer wieder besonders cool. Er hatte mal wieder seine Gitarre dabei und saß lässig auf seinem Lehrerpult. Ich wiederholte seine Worte, die Furcht und Ekel regelmäßig in mir auslösten. „Liebe Schüler (Es waren die 90er, da wurde noch nicht gendert. In Bayern, okay und jetzt wurde es komplett verboten, obwohl es noch nie gesetzlich vorgeschrieben wurde. Immerhin schreiben wir das Jahr 2024. Merkt Du was ??). „Ich habe euch etwas besonders mitgebracht“ Von ganz hinten schrie Tom, unser Mädchenschwarm, der Lehrer könnte es ja gleich wieder mitnehmen es, würde hier keinen interessieren, was in seinem Liebesleben passiert. Ach Tommy, der heimlich in seinem Mathebuch, die ganz coolen Jungs-Magazine und Automobilzeitungen über die neuesten abgefahrenen US-Cars versteckte und mit leuchtenden Augen der Stimme des Lehrers lauschte, wenn dieser über Geometrie philosophierte. Jede Fleißaufgabe löste er und sagte doch immer, Hausaufgaben sind voll fürs Klo!

Und neben ihm saß Andrea, die hübscheste Schülerin der ganzen Schule, der ganze Stadt, ach quatsch, der Welt und des Universums gleichzeitig! Kein Wunder "mein Kleines", dass du so einen "Crash" auf sie hattest. Und etwas weiter vorne saßen Caro, Micha, Nadine und alle die anderen. Es waren die 90er und diese Frisuren, heutzutage würden man die Friseur*innen verklagen, wenn wer so einen Haarschnitt schneiden würde. Wie das aussah ... Gut, dass wir nicht jedem Trend hinterherrannten.


Und was bin ich froh, dass mich außer dir, "mein Kleines", niemand sehen kann. Nur leider bin ich jetzt erst aus dem Regenbogennebel aufgetaucht. OMG, du hast eine weiße Hose an! Warum? Das kann doch nicht Dein Ernst sein! "Warum schickt du mich denn bitte jetzt zurück?" (Anm.: Eine Erklärung für diese Frage gebe ich irgendwann, oder auch nicht.)

Ich meine, ich bin noch nicht so weit; ich muss mich doch erst verorten.

Was hatte ich mir dabei nur gedacht? Niemand kommt mit einer weißen Hose in die Schule. Also zu Anfang war der Plan, diese Hose anzuziehen, noch ein sehr guter. Diese Hose war nicht nur sehr teuer und ich hatte alles gespart, was nur möglich war, um dieses Meisterwerk der Schneiderkunst zu erlangen. (Es waren die 90er. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch nicht ans Gendern gedacht). "Mein Kleines", lass dir dies von mir noch einmal gesagt sein: Mit einer "Marke" ziehst du dir nicht deinen Charakter oder deine Kreativität an. Du hättest das Geld auch für etwas Sinnvolles ausgeben können. Du ziehst dir nicht nur eine weiße Hosen an, sondern sie ist dir leider auch etwas zu eng.

Im ersten Moment als du diese Hose, die dich noch ins Verderben führen wird, kauftest, dachtest du, jetzt gehöre ich dazu. Zu diesen ganzen coolen Leuten. Weit gefehlt, junge Dame. Sowas nennt sich Gruppenzwang. Meist ist es ja so; Du machst entweder was total Bescheuertes oder Lebensgefährliches, nur um dazu zu gehören oder, wie in deinem Fall. Du kaufst dir eine weiße, viel zu teure Hose von einem Markenhersteller, die du nur einmal anhaben wirst!


Na, Neugierig, die es weiter geht, liebe*r Leser*in? ...

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