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Gegenwart, Vergangenes und Blick in die Zukunft

Aktualisiert: 15. Juni

Sie, meine Mutter, sah anders aus, als ich sie in Erinnerung hatte. Älter...


Jahrelang hatte ich keinen Kontakt mehr. Nach unserem Outing hielt ich es nicht mehr für nötig, denn außer Vorwürfen mir gegenüber, kam da nichts.

'Sowas, wie Dich, in dieser Familie zu haben. Das du Dich nicht schämst.' Hörte ich öfter. Ich sei eine Schande für die Familie. Und ob ich alles nur sage, um Sie zu verärgern?! Sie könne ja nicht mehr raus gehen; nicht mehr unter die Leute. 'Was die sich wohl denken würden! Als hätte ich Dich nicht streng genug erzogen.'


Ich schließe die Augen. Es ist wie ein Film, der lebendig wird.

„Ich bin gleich wieder da!“ Doch mein jüngeres Ich war gerade mit anderen Dingen beschäftigt. Nadel und Faden sollten helfen, das Malheur zu reparieren. Leider waren unsere Nähkünste nicht gerade die besten und das, obwohl unsere Mutter doch gelernte Schneidermeisterin war. Ja, brachte mir nur nix.

Nach unserer Geburt und dann als Alleinerziehende musste sie irgendwie über die Runden kommen. Also nahm Sie eine Reinigungsstelle in einer Schule an. Dies mit dem Glauben, irgendwann eine bessere Stelle oder Tätigkeit zu finden. Die Zeit verstrich jedoch und sie gab endgültig ihre Träume auf. Leider bekamen wir, dies nun jeden Tag aufs Neue zu spüren. Wenn doch wenigsten ich (wir) PERFEKT gewesen wäre (so, wie sie sich das immer wünschte)!

Keine Sorge! Wir werden noch früh genug feststellen, wie perfekt wir waren und sind. Nur eben auf unsere eigene Art und Weise. *Grins*


„Hey, wir sehen uns später. Ich brauche mal frische Luft“. Mein jüngeres Ich ignorierte mich bereits, da ihre Mutter (unsere Mutter) mit ihr in einer heftigeren Diskussion stand. 'Deine Versetzung ist gefährdet - junges Fräulein!' Mich beschlich das ungute Gefühl, ich habe es mit meiner Reise in die eigene Vergangenheit, mal so richtig verbockt!

Der Kommunikator begann, in meiner Hosen Tasche zu leuchten. Boah nicht auch Das noch!

„Sofort in die Kommandozentrale!“ erschallte es. So, wie es aussieht, trog mich mein Gefühl nicht.

Ich drehte an meiner Zeitreise-Uhr und gelangte damit an einen Ort zwischen Raum und Zeit. Vor der Kommandozentrale hielt ich inne. Kurz durchatmen! Was mich wohl erwartet? Ich wusste es nicht.

So gleich, in einem Regenbogen-Nebel stand sie vor mir - Unicorn. Ihre ausdrucksstarke Erscheinung brachte mich zum Schweigen; so erging es mir immer, jedes einzelne Mal. Und, eigentlich hatte ich sonst immer einen (un-)passenden Spruch auf Lager. Dies wird mir jedenfalls nachgesagt. Natürlich sehe ich das ganz anders.

Unicorn war zierlicher Statur, ihr Gang, elfengleich - mehr ein Schweben, als ein Gehen. Ihre Haare waren lang, oft geflochten und kunstvoll drapiert. Ihre Kleidung umspielte ihren Körper romantisch, feminin und es umgab sie immer ein Nebel aus den Farben der Progress-Flagg. Es war einfach sooo beeindruckend!

„Romey, sieh mich bitte an. Es ist jedes Mal das Gleiche. Ich beiße Dich nicht!" Was für eine Redewendung? Mich beißen...

Unicorn, die Erhabene von Raum und Zeit sah mich mit sanftmütigem Blick an. Ich wollte nicht, dass sie meine Tränen bemerkt und wendete meinen Blick von ihr ab. Mit hängenden Schultern versuchte ich, mich ihr zu erklären.

'Mission gescheitert! Ich habe es verbockt. Mein jüngeres Ich hasste mich von der ersten Sekunde an. Ihre Schulnote, ihre Beliebtheit sind im Keller; was denke ich da, sie waren tief darunter. Und ich, ich habe mir nichts dabei gedacht.' Ich war echt "leise" beim Denken.

Unicorn zog ihre regenbogenfarbene Augenbraue in einen senkrechten Winkel nach oben. "Was habe ich Dir zum leisen Denken gesagt ?“ Ich trat von einem Fuß auf den anderen.

"Dass das leise Denken nicht meine besterbrachte Leistung in der Zeitprüfung war?!" Unicorn pustete ihren transfarbenen Pony nach oben. 'Unicorn und Pony, was für ein witziger Gedanke, oder?' Ich schweife ab... Eine Strähne fiel ihr ständig aus ihrer kunstvollen Flechtfrisur.

"Also, Meister*in Unicorn, Erhabene der Zeit, sagen wir, die Mission ist gescheitert und wir suchen uns einfach ein anders Alter meines Ichs aus?" Ganz leise fügte ich ein "Bitte!" dazu.


'Ich will nicht mehr zurück in diese Realität! Unsere Mutter nahm uns nie in den Arm, wenn die Welt über uns zusammenbrach (noch so eine Redewendung). Wir waren immer an allem Schuld. Ich war sogar schuld, weil draußen schlechtes Wetter war. Denn, immer wenn der Teller von mir nicht leer war und ich nicht aufgegessen hatte, wurde ich gemaßregelt. Allein bei dem Wunsch am Tisch: 'Lass es dir schmecken', stehen wir mittlerweile wortlos vom Tisch auf; so sehr stört uns dieser Satz. Auch diese Sätze hörte ich öfter: 'Erwachsene haben immer Recht! Du hast mir bestimmt nichts zu sagen!' Und auf Platz 1 stand: 'Nein, ich muss hier nichts begründen!' Unsere Erziehung war, alles andere als liebevoll. Sie war unterkühlt und genoss die altbayrische Strenge. Ich stand in der Hierarchie einfach am untersten Ende und alle in unserem "Stammbaum" kamen vor mir. Also, was sollte ich, von meinem 13-jährigen Ich erwarten? Sie hat nur eine Chance, nicht so zu werden, wie der Rest der Verwandtschaft - Break the Rules!'

Unicorn nickte zustimmend.

'Warum vergesse ich immer, dass die Herrin von Raum und Zeit Gedanken lesen kann?'

"Romey, ich trug Dir die Aufgabe nicht auf, weil diese leicht ist. Ich trug sie Dir auf, weil ich an Dich glaube; weil ich weiß, Du schaffst es, aus Deinem 13-jährigen Ich eine*n emphatische*n Teenager zu zaubern. Nutze Deine Kräfte und Dein Wissen. Du hast es in Dir!" Mit einem Schwall aus glitzerndem Regenbogen-Nebeln verschwand Unicorn genauso, wie sie mir zuvor erschien.

"Unicorn, Du hast mir nicht gesagt, wie???"


Wie es weiter geht? Bleibt neugierig...

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