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Zurück in die Vergangenheit

Eine weitere Stunde folgte. Unter Schimpftiraden und einem enormen Protest konnte ich das jüngere Ich, von einer Zwischenlösung überzeugen.

„Du wirst mir noch Dankbar sein, dass wir uns begegnet sind!“

Gut, dass wir es nicht so weit nach Hause hatten. Die Mietwohnung war 15 min von der Gesamtschule entfernt. Es gab außerdem genug Hecken und Büsche, an denen wir pausieren konnten, falls uns wer über den Weg laufen sollte.


Zuhause angekommen, versicherte Ich mich, alleine zu sein. Wir müssen mal einiges klar stellen: „Eine blaue Mülltüte!? Überlege einmal, was passiert wäre, wenn mich eine*r der Klassenclowns damit erwischt hätte?? Ich wäre das Gespött der ganzen Schule geworden!“ Das jüngere Ich verzog sich mit einer neuen Hose - ohne Risse im Zwischenraum ins Bad, um sich um zuziehen. Ich nutze die Zeit mich in der kleinen Mietwohnung umzusehen.

Ein merkwürdiges Gefühl war es, was mich beschlich.

All die Bilder, die mich (uns) in den Jahren bis zum 13. Lebensjahr zeigten; wirklich glücklich sahen wir auf keinem aus. Das meiste war gestellt.


Unsere Mutter war alleinerziehend. Den geliebten Vater lernten wir nie kennen. Er verstarb bereits vor Romeys (meiner) Geburt. Auch unseren älteren Bruder sahen wir ein einziges mal im Leben. Was uns blieb, war ein Bild, in dem ich noch sehr klein war und in seinen Armen lag. Liebevoll lächelte er mich an.

Er verkraftete den frühen Tod unseres Vater nie und schloss sich ihm an.


„Was machst du da?“ Die jüngere Ausgabe von mir stand hinter mir und stemmte ihre Hände in ihre breiteren Hüften. „Ich, ach nichts.“ Traurig legte ich das Bild zur Seite. 'Ihr fehlt mir!'

„Du wolltest reden! Dann nur los.“ Ihre Augen feixten mich an.

„Hast du dir mal überlegt, wie das weiter gehen soll? Ständig bist du auf Angriff.

Und du kennst mich gerade erst ein paar Stunden. Wie um alles in der Welt soll ich dir helfen?“ Wild gestikulierend versuchte Ich mir (wir uns) klar zu machen, was sich mit unserem Zusammentreffen änderte.

„Das ist, wie die Matrix!“ Bevor die jüngere Romey etwas sagen konnte, kontere ich, als die ältere Ausgabe, bereits mit: „Ach vergiss es..."


Romey (wir) gingen im Kinderzimmer auf und ab. Und suchten nach einer gemeinsamen Lösung. „Ich weiß, was passieren wird, da es schon passiert ist. Bitte vertrau mir doch einfach!“ Vertrauen! Dieses so bedeutende Wort: Vertrauen; so etwas konnten Ich (Wir beide) nicht. Es begann mit der Familie und dem Unausgesprochenen, bis hin zu Freunden, die noch nicht einmal Wir selbst uns aussuchen durften. Diese nutzten Uns mehr als ihr „Alibi“, da sie sich selbst als so perfekt ansahen. Beispiele? Da fielen Aussagen, wie:

'Ach wir sind heute bei Romey - zum Lernen.' oder 'Wir treffen uns mit Romey, um ins Freibad zu gehen.' Funfakt - Wir konnten noch nicht mal schwimmen.

In Wirklichkeit trafen Sie sich mit ihren Boys und Ich wurde zur Ausrede. Genau diese wurde immer dann genutzt, wenn denen Hausarrest aufgebrummt wurde; was für ein Halo Effekt. Wir strahlten die Unschuld vom Lande aus; zwar nicht für Alle, aber doch wenigstens für die Eltern unserer Freunde. Vielleicht sollte ich anmerken, in deren Köpfen gab es für Mädchen nur weiblichen Freunde, denn Jungs spielen doch nur mit ihresgleichen...


Und unsere Mutter, sie sah nicht viel Positives in uns. Für sie waren wir nie Gut oder Brav genug, obwohl sie nach Außen irgendwann nur so vor Stolz trotzte. Weshalb auch immer.

Ach, und Rebellieren, so etwas wurde überhaupt nicht geduldet. Schon das Denken daran , wurde untersagt! Anpassung war die Devise, immer, überall und unter allen Bedingungen!


„Ich fühle mich alleine. Niemand mag mich so wirklich. Sie sagen ich bin ein Nerd. Und guck mich doch mal an“. Romey (Wir) zeigten auf unsere Hüften und das Bäuchlein. „Boah, ich finde so nie nen Kerl.“ Wir sackten in uns zusammen.


"Zum letzten Mal - Ich bin Du aus der Zukunft!" 'Und, Ich stehe nicht auf Kerle! Außerdem sehe ich nicht gerade so aus, wie Du!' Gut das ich die beiden letzten Gedanken nicht laut aussprach, denn Teenager sind so empfindlich.

Amüsiert rückte ich meinem jüngeren Ich etwas näher. Wir beide saßen auf dem Teppichboden des Kinderzimmers. „Im Leben gibt es mehr, als nur einen passenden Kerl zu finden. Wir Frauen können so viel mehr, als nur Haus, Heim ,Herd hüten und Kinder erziehen. Und mal so unter uns, wir waren auch mal Bundeskanzler*in!“

Neben mir beugte und krümmte sich vor Lachen die 13 Jährige Romey.

„Hör auf, ich habe echt schon Tränen in den Augen - Eine Frau und Bundeskanzler.

Als Nächstes erklärst du mir ...“ Weiter kamen wir nicht. Die Tür ging auf und vor mir stand unsere Mutter; DIE Mutter aus meiner Vergangenheit.


Na neugierig?? Nächste Woche geht es weiter...

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